7. Juli 1917

Besucher verboten!

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Standortkarte

Coordinates 50.82817920732473, 3.271852023903436

Ereigniserzählung

„Nach meinen Lazarettvisiten lief ich schnell nach oben, um nach den Frühstückswünschen zu fragen. Richthofen lag da und las Briefe. Ich war entsetzt: ‚Herr Rittmeister, das ist sehr unklug. Sie können kaum die Augen öffnen, und nun überanstrengen Sie sich.' Er gestand: ‚Schwester, ich kann nicht mehr.' Fast 50 Briefe lagen da, und nur der zehnte Teil davon war von lieben Bekannten! Als ich fragte: ‚Wer hat die Post gebracht?', erhielt ich zur Antwort: ‚Das ist ein Geheimnis!' Na, das werde ich noch herausfinden.


Da ständig Besucher anfragten und Richthofen kaum sprechen konnte, wurde ein Zettel an die Tür geklebt: ‚Besuch verboten! Stabsarzt Bardenheuer!' Das freute den Patienten sehr, aber seinen Freund Wolff musste er sehen und er wollte unbedingt wissen, wie alles stand. Das wurde erlaubt, und in den ersten Tagen durften nur Wolff und Krefft eintreten. Bevor ich Wolff hineinließ, packte ich ihn am Arm: ‚Herr Leutnant, haben Sie da etwa Post gebracht?' Entsetzt streckte er abwehrend die Hände aus. Ich musste lachen. Dann sah ich den Kerl, der so ein dumm-simpel Gesicht aufsetzen konnte, scharf an. Er gestand: ‚Der Rittmeister hat es befohlen!' – ‚Also dann, gehen wir jetzt hinein zum Rittmeister.' – ‚So, Herr Rittmeister, ich habe diesem Kerl befohlen, mir die Post künftig zu übergeben.' – ‚Jawohl, gnädige Frau, Schwester!'


Um Mittag hörten wir die Stimme des Majors, seines Vaters. Der Patient wollte ihn sehen, aber er durfte nicht sprechen. Ich lief schnell hinunter, um den Major zu verständigen. Der alte Herr setzte sich aufs Bett und streichelte sanft die Hand seines Sohnes. Ich zog mich etwas zurück; hier sprachen Vater und Sohn eine stille, süße Sprache. Bald stand der Major auf und wedelte lächelnd mit dem Finger. Leise, kaum hörbar, ertönte: ‚Mein Junge!' Ein sanftes, liebes Lächeln lief über Richthofens Augen und Gesicht.


Nachmittags wurde der Verband gewechselt. Der Patient bekam nur einen hübschen Turban. Aber später musste ich noch eine Stärkebinde darüberwickeln, denn er fürchtete, der Verband läge am nächsten Morgen unter dem Bett. Auch gab es für diese Nacht eine Spritze, und tagsüber gegen die Kopfschmerzen eine Pyramidon-Tablette. Das Licht musste gedämpft bleiben, denn seine Augen vertrugen es nicht anders.


Eine unangenehme Nebenwirkung war, dass der Patient seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht als normal empfand, sondern wie ein Stück Holz. Folglich muss der Aufprall der Kugel auf der linken Seite [im Gehirn] eine Erschütterung verursacht haben. Selbst essen konnte er nicht, da sein Kopf still liegen musste. So besorgte ich einen Trinkbecher und fütterte ihn mit einem Teelöffel. Richthofen sah mich ungläubig an, aber bald fand er Gefallen daran und sagte: ‚Ich hätte nie gedacht, dass es so schön ist. Gefüttert zu werden ist eine sehr schöne Sache.' Er aß wie ein Spatz, aber es ging nicht anders. Er hat mir schon gedroht, dass er mich später mit seinem Appetit zu Tode quälen wird. Er ist ganz aufgetaut, {denn Richthofen ist bei Fremden anfangs recht wortkarg, zweifellos fein und ruhig, aber still}. Das [Lazarett-]Kommando hat schnell eine Klingelanlage für uns installieren lassen, und nun hat ein fröhliches Klingeln begonnen.


Richthofen versuchte mir klarzumachen, dass er sehr unruhig sei. Das hatte ich bisher nicht bemerkt, aber es konnte durchaus so sein. Er hatte nur Angst, alles vom Nachttisch zu fegen. Ich bezweifelte, dass das geschehen würde. Dann aber sagte er, dass seine gute Mama alles wegräumen musste, wenn er zu Hause war. Also musste ich es ihm glauben."

Quellen

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